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Aktuelles


Das Projekt wurde am 31. Oktober 2010 offiziell beendet, die Grube wird 2012 wieder verfüllt. Wir bitten um Verständnis, dass nun weder Führungen noch Praktikanteneinsätze auf dem Grabungsgelände angeboten werden können. Für die Unterstützung durch unsere Sponsoren, Helfer und Praktikanten möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bedanken. Ohne diese Hilfe hätte dieses spannende Projekt niemals stattgefunden. Bei den Chemnitzern und Ihren Gästen bedanken wir uns herzlich für das überwältigende Interesse.

 

 

Videodokumentation 

 

2009 entstand durch die Firma Audiovision Chemnitz eine interessante Videoproduktion, welche unsere Grabung in den ersten beiden Grabungsjahren dokumentiert. Einen Auszug finden Sie bei YouTube (hier klicken). Der Film ist als DVD über das Museum erhältlich, weitere Informationen sind hier zu finden.

 

 

Rückblick 2011

 

Im Jahr 2010 konnten die Grabungsarbeiten zwar weitgehend, aber leider nicht vollständig abgeschlossen werden. Die Tätigkeiten wurden mit Hochdruck bis in den späten Herbst fortgeführt, letztlich zwang uns jedoch ein früher Wintereinbruch mit bedeutenden Schneemengen zur Aufgabe im Jahr 2010. Die Umstände erlaubten es erfreulicherweise, die verbliebenen Arbeiten 2011 noch auszuführen (Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an Herrn Dämmig für seine bemerkenswerte Geduld mit uns!). Vom „Blatthorizont“ waren nur noch etwa 5m² durchzumustern, der ehemalige Waldboden war für eine Fläche von etwa 50m² zu begutachten. Hinzu kamen Flächenmessungen und Gesteinsprobennahmen, ein Profil der unteren Schichten wurde für museale Zwecke entnommen.

 

Natürlich hatten es die finalen Quadratmeter in sich. Sprichwörtlich im letzten, abzubauenden Feld des „Blatthorizontes“ wurde von Georg Sommer (Naturhistorisches Museum Schleusingen) ein weiterer Saurier entdeckt. Dieser ist besonders gut erhalten mit Schuppenkleid, Kopf und Extremitäten. Er bekam den Namen „Helge“ verpasst. Doch auch der Waldboden hatte noch Sensationelles parat. Erstmals wurden erstaunlich gut erhaltene Reste von Skorpionen entdeckt. Zwei vollständig erhaltene Exemplare sowie zwei mutmaßliche Häutungsreste sind die ersten fossilen Belege dieser Tiergruppe weltweit aus der Zeit des Perms! In der Südecke des Grabungsgeländes wurde seit Grabungsbeginn ein großer, aufrecht stehender Stamm sukzessive ausgegraben und abgebaut. Dieser war der einzige dicke Gymnospermenstamm (an der Basis immerhin schon etwa 0,5m im Durchmesser), dessen Wurzelstock innerhalb der Grabungsfläche lag und damit für eine Dokumentation und Bergung zugänglich war. Schon seit 2008 waren wir gespannt darauf, welches Bild sich im Waldboden bieten würde. Unsere Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Wir fanden einen gut erhaltenen im Durchmesser etwa 2,5m großen Wurzelstock mit vielen, teils winzigen Wurzeln vor. Die Protokollierung dieser exzellent verkieselten Reste war die letzte wissenschaftliche Herausforderung, der wir uns auf dem Grabungsgelände zu stellen hatten. Der Rest war Routine. Letztmalig wurden die Böschungen mit Planen abgedeckt und die logistischen Dinge zurückgebaut. Unsere Grabungshütte wurde geräumt, temporäre Überdachungen abgebau. 2012 wird die Grube wieder verfüllt.

 

Letzten Endes kam das Grabungsteam bei 850 mit Proben gefüllten Kisten, 540 verkieselten Pflanzenachsen, über 1200 Abdruckfossilien und knapp 12000 Fundfotos zum Stehen. Noch nie wurde ein fossiles Ökosystem dreidimensional so umfangreich und derartig detailliert dokumentiert. Der Preis für diesen Schatz waren 4 Jahre harte Arbeit in unserem kleinen „Steinbruch“. Mehr oder weniger unbewusst haben wir dabei nicht minder wichtige Kostbarkeiten hinzugewonnen: umfangreiche Grabungserfahrung und großes öffentliches Interesse für ein permzeitliches Pompeji unter unserer einzigartigen (!) Stadt Chemnitz.   

 

 

Rückblick Grabungsjahr 2010
 

Da die Vielzahl und Komplexität der Funde in den beiden vergangenen Jahren einen Abschluss der Grabung unmöglich machte, starteten wir 2010 in die dritte und Grabungssaison. Nach dem Ende des Winters, begannen die Arbeiten auf dem Areal wieder und wurden im Oktober zu einem gebührenden Abschluss gebracht.

 

Obwohl es im Jahr 2009 bereits weit vorangegangen war (etwa 80% der oberen und 40% der unteren Schichten waren abgebaut) sollte es nicht einfach werden, das gesamte Areal bis Ende 2010 abzugraben. Einen Grund hierfür stellt die zeitintensive Flächenprotokollierung der basalen Schichten dar. Bereits 2009 wurde schnell deutlich, welch enorme Menge an Abdruckfossilien vor allem im „Blatthorizont“ lagern, obwohl im abgebauten Areal vergleichsweise wenige (vermutlich zugehörige) Stämme noch aufrecht standen. Hinzu kam, dass im Jahr 2010 in allen Schichten auf enger werdendem Raum parallel gearbeitet werden musste. Ein Abtransport von Aushubmassen war nicht mehr möglich, denn das als Containerstellplatz genutzte Plateau musste ebenfalls abgegraben werden. Damit entfiel leider auch die letzte Möglichkeit, das Grabungsareal für interessierte Besucher von Zeit zu Zeit zu öffnen.

 

Bereits ab dem 22. März 2010 war das Grabungsgelände an der Frankenberger Straße wieder dauerhaft besetzt. Zu diesem Zeitpunkt stellten sich bereits die ersten Praktikanten ein, wodurch der Abbau der Sicherungsmaßnahmen zügig voranging. Lediglich die Böschungsplanen verblieben bis zum Abklingen der oft ergiebigen Frühjahrsniederschläge (bis Anfang Mai) auf den Abhängen.

 

Zu unserer Freude hatte der winterliche Frost offenbar infolge unserer Sicherungsmaßnahmen keine nennenswerten Schäden an „Blatthorizont“ und Waldboden angerichtet. Die Oberfläche des Paläobodens im nordwestlichen Teil (etwa 50m²) wurde gesäubert, fotodokumentiert und vermessen. Anschließend konnten die enthaltenen Kieselhölzer analog zur Standard-Entnahme der oberen Schicht dokumentiert und geborgen werden. Angesichts der in dieser Schicht auftretenden Abdruckfossilien, Wurzeln, Schnecken und Knochenreste entschlossen wir uns für eine Flächenprotokollierung ähnlich der für den „Blatthorizont“ praktizierten Vorgehensweise. Allerdings wurde der ehemalige Waldboden um einiges zügiger durchmustert, denn der gesamte weitere Grabungsablauf hing von der frühzeitigen Freigabe dieses Gebietes für die Verfüllung mit Aushubmaterial ab. Die oft als Abdrücke vorliegenden Wurzeln konnten angesichts ihrer überwältigenden Menge weder komplett beprobt noch vollständig dokumentiert werden. Dennoch wurde das Material „durchgeklopft“ und viele spannende, oft bisher ungedeutete Fossilien fanden den Weg in den Probenfundus. Anfang Mai waren die Arbeiten diesem Bereich endlich abgeschlossen.

 

Während den voran genannten Arbeiten wurde die bereits 2009 freigelegte Schicht 4 im zentralen und südlichen Teil der Grabung gesäubert, vermessen, fotografiert und protokolliert. Die Entnahme erfolgte zeitnah in routinierter Weise analog der Methodik des Vorjahres. Weniger zügig gestalteten sich die Arbeiten in den Schichten darunter, vor allem im Bereich vieler noch aufrecht stehender Stämme nahe der südwestlichen Böschung. Bereits oberhalb des Blatthorizontes wurden die Bearbeiter von bisher an keiner anderen Stelle der Grabung beobachteten vorzüglichen Pflanzenfossilien überrascht. Umfangreiche Funde im Blatthorizont, aber auch die Wurzelstöcke zahlreicher Stämme im ehemaligen Waldboden erforderten eine intensive und langwierige Protokollierung, was für die Bearbeiter immer öfter zu einer Geduldsprobe wurde. Allein am Wurzelstock eines aufrecht stehenden Schachtelhalms wurde viele Wochen gearbeitet, um eine spätere Rekonstruktion der nur in Fragmenten vorliegenden Pflanze zu ermöglichen. Eigentlich sollte das „Südfeld“ zügig abgegraben werden, um für den Abtransport des Aushubes (aus der Ostecke) möglichst kurze Wege zu ermöglichen. Die Anzahl der Funde machte uns an dieser Stelle leider einen Strich durch die Rechnung.

 

Den mit Abstand größten Arbeitsaufwand erforderte das noch abzugrabende „Container-Plateau“ in der östlichen Ecke des Geländes. Erst nach Bergung schwerer Großstücke und der Freigabe der Verfüllungsfläche im Nordwesten konnte mit den ca. 30 cm hohen Abhüben in Schicht 3 begonnen werden. Anfangs ging dies schleppend voran, da nur wenige Helfer zur Verfügung standen. Mit dem Eintreffen von studentischen Praktikanten Anfang August 2010 steigerte sich das Arbeitstempo jedoch zu unserer Freude. Der massige Tuff wurde innerhalb von 2 Wochen fast vollständig abgebaut (über 50m³!), obwohl auch hier wieder stehende Pflanzen mit „Fangkorb-Bereichen“ ausgestattet waren. Einige Studenten mit vergleichsweise langer Praktikumsdauer waren im Vorfeld auf die Kieselholz-Protokollierung vorbereitet worden, was sich nun sehr positiv auf den Fortschritt der Dokumentation auswirkte. Die basalen Schichten in diesem Bereich wurden einer zügigen Standard-Protokollierung zugeführt, womit die flächenhafte Dokumentation für das Grabungsgelände weitgehend abgeschlossen werden konnte. Parallel zu allen bisher genannten Arbeiten wurde am bewährten System der Gesteinsprobennahme und Bleichungszonenmessung festgehalten. Am 31. Oktober 2010 wurden die Arbeiten auf der Grabung offiziell beendet.

 

Auch im Jahr 2010 gab es „organisatorische Besonderheiten“. Abgesehen von den verwendeten Abrollcontainern war der Einsatz schwerer Technik bereits im vorangegangenen Grabungsjahr Geschichte. Nun jedoch wurde die Grube teils schon wieder verfüllt, wofür sich ein geeigneter Verdichter erforderlich machte. Da sich die Miete für die dauerhafte Nutzung eines solchen Gerätes als unerschwinglich erwies, wurde kurzerhand ein gebrauchter Verdichter für den Grabungszeitraum angeschafft. Damit allein war es jedoch nicht getan, denn die tonnenschwere Maschine musste mit einem Kran in die Grube gehievt werden, was auf gewohnt professionelle Weise durch die Firma Schmiedl&Sohn besorgt wurde. Umgekehrt mussten einige mit Muskelkraft nicht bewegbare Großstücke auf diese Weise das Grabungsgelände verlassen. Mit fortschreitendem Abbau wurden die Treppen zur Grube zwangsläufig seltener und steiler, die einzige Zufahrt zum Gelände wurde abgegraben. Somit gestaltete sich der Abtransport der Fundstücke zunehmend Kräfte raubend. Auch war es nicht immer einfach, die gut geeigneten Bananenkisten in der gewünschten Menge zu erhalten. Im Hochsommer wurde uns erstmals bewusst gemacht, dass sich die Intensität des Bananenkonsums reziprok zur Höhe der Außentemperatur verhält. Letztlich ist auch die eigentlich erfreuliche Ausstattung der Frankenberger Straße mit so genanntem „Flüsterasphalt“ als „organisatorische Besonderheit“ zu nennen. Abgesehen davon, dass diese akustische Maßnahme aus unserer Sicht drei Jahre zu spät kam, waren wir über Wochen durch die Baumaßnahmen transporttechnisch quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Das kann getrost als logistischer Alptraum für unser Team bezeichnet werden, mussten doch wöchentlich mehrere hundert Kilogramm Proben und Funde das Gelände verlassen.

 

Letztlich war dieses letzte Grabungsjahr wohl auch das erfolgreichste. Durch die in den Vorjahren gewonnen Erfahrungen zog im Grabungsverlauf eine unglaubliche Routine ein. Die Aufgaben wurden von allen Beteiligten in einer bemerkenswerten Professionalität durchgeführt, welche 2008 und 2009 mangels Erfahrung unmöglich zu erreichen war. Heute mögen die Erinnerungen an die Strapazen in unserem kleinen Steinbruch verschwimmen, für uns waren sie jedoch real und viele Fotos aus dieser Zeit sprechen eine deutliche Sprache. Angetrieben wurden wir von fantastischen Funden, vor allem die Tierwelt belohnte uns immer öfter für die Anstrengungen. So kamen unter anderem weitere Reptilien, Amphibien, eine Spinne, und Reste von Tausendfüßern im „Blatthorizont“ zum Vorschein. Die Pflanzenreste der unteren Schichten waren außerordentlich zahlreich und von hoher Qualität. Als herausragendes Beispiel ist eine kopfüber eingebettete Wedelkrone eines Samenfarns zu nennen, bei welcher der direkte Zusammenhang von verkieseltem Stamm und ansitzenden Wedeln und Blättern zu beobachten ist. Einen solchen Glücksfall vorzufinden hatten wir nicht zu hoffen gewagt. Es wurde auch 2010 wieder umfangreich Material beprobt, welches bisher in keinem Museum der Welt zu sehen ist. Vieles wird noch zu deuten sein, für manch definitiv fossile Struktur hatten wir auf Anhieb keine Erklärung.

 

 

Bilder Webcam 2010

 

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Rückblick Grabungsjahr 2009

Neben vielen kleineren Arbeiten während des Winters wurde die Grabungstätigkeit im Frühjahr wieder aufgenommen.Die Wintersicherung und die aufgebauten Abdeckungen wurden zurückgebaut.

Verschiedene noch ausstehende Arbeiten aus dem Vorjahr wurden weitergeführt. So wurden noch ausstehende Funde proto
kolliert, welche sich im letzten Jahr bereits angedeutet hatten. Im Zuge dieser Arbeiten wurde uns bei vielen Fossilien bewusst, dass ein Fund öfters weitere Funde nach sich zieht.
Selten iegt ein Ast allein oder ohne Verzweigung innerhalb der verfestigten vulkanischen Asche. Vor allem noch stehende Pflanzen haben als Widerstände innerhalb der Erruption kleinere und größere Pflanzenachsen "eingesammelt".

 

Im Jahr 2009 wurden wieder außergewöhnlich viele Fossilien entdeckt. Die Zahl der Kieselholzfunde ist auf knapp 300 angewachsen. Beeindruckend waren die vielen Abdruckfossilien (über 300 Abdrücke auf einer Fläche von ca.50m²). Meist handelte es sich um Blätter verschiedener Pflanzen, bei sehr vielen wird erst eine genaue Untersuchung zeigen um was es sich handelt.

 

In der Tradition des Jahres 2008 haben wir auch 2009 wieder verschiedene Fossilien mit Bezeichnungen versehen. So entstanden dem Aussehen und den Fundumständen entsprechende Namen, welche uns helfen sollen, die Funde zuzuordnen. Es ist wesentlich einfacher sich "Horst", "Roster" oder "Fußball" zu merken als die zugehörige Nummerierung. Eigentlich aber entstehen die meisten Bezeichnungen durch beiläufige Kommentare der Grabungsbeteiligten.

 

Wirbeltierfunde

 

Während zahlreicher Führungen auf dem Grabungsgelände stand eine Frage immer wieder im Raum: „Habt ihr auch Tiere gefunden?“. Nachdenklich verneinend versuchten wir den Besuchern wenigstens die Möglichkeiten aufzuzeigen, welche die bisher bekannte Perm-Fauna bietet. Mit vergleichsweise wenig Hoffnung auf Funderfolge verwiesen wir auf die zuunterst liegenden Schichten, welche noch zu untersuchen waren. Seit dem 24. September 2009 können wir die Frage der Besucher erstaunlicherweise mit einem sicheren „Ja“ beantworten.

 

Vor 290,6 (+/- 1,8) Millionen Jahren lebte ein etwa 30 cm langes, eidechsenähnliches Reptil, welches sich vermutlich von den Pflanzen des Urwalddickichts ernährte. Doch die grüne Idylle war trügerisch. Der nahe Berg begann zu grollen, eine große Wolke vulkanischer Asche stieg empor und legte sich unausweichlich auf das Paradies. Blätter und Zweige fielen, abgerissen durch die Last der Asche, zu Boden und schließlich musste auch unser kleiner Ursaurier sein Leben lassen. Doch das war nur ein Vorbote. Nach einigen weiteren Aschewolken nahm eine gewaltige Glutwolke auch dem letzten Fünkchen Leben die Hoffnung.

 

Eine halbe Ewigkeit später gräbt sich ein Forscherteam umfangreich messend in den Versteinerten Wald. Im zweiten Jahr der Grabung kommen sie den Vorboten der großen Glutwolke nicht nur näher, sondern finden in der zuerst gebildeten Ascheschicht (direkt über dem ehemaligen Waldboden) zahlreiche Blätter, kleine Äste und auch ein kleines Skelett. Bei der ersten Begutachtung wurde der Fuß des Ur-Sauriers für ein sehr ähnlich aussehendes Blatt (Annularia sp.) gehalten, erst die Sichtung der Fotodokumentation ließ die Gliederung in kleine Knochen erkennen. Nun war auch klar, dass der benachbarte Abdruck als Wirbelsäule, Rippen, Oberarmknochen und Schädel zu deuten ist. Sogar Reste des Schuppenkleides sind erkennbar!

 

Es müssen schon einige Glücksumstände zusammentreffen, um einen solch umfassenden Einblick in ein derart altes Ökosystem zu erhalten. Nicht nur, dass die Stämme und Äste des Waldes teils noch in Wuchsposition (bisher ca. 40 stehende Stämme!) Zelle für Zelle erhalten blieben, ist bemerkenswert. Hinzu kommen die sehr gut erhaltenen Abdruck-Fossilien in der zuerst abgelagerten Ascheschicht, welche nicht nur die Belaubung des Waldes zeigen, sondern auch noch Reste seiner Bewohner. Tierische Reste, welche z.B. in alten Seeablagerungen gefunden werden, mussten vor und während ihrer Einbettung noch eine zerstörerische „Behandlung“ durch Mikroben oder größere Tiere über sich ergehen lassen und sind ziemlich sicher auch verfrachtet worden (wie weit auch immer). Unser kleines Reptil lag unter einer kleinen Gruppe von Baumfarnen und zukünftige Untersuchungen werden zeigen, ob dies ein Hinweis auf seine Schlaf- oder Fressgewohnheiten ist. Dieses kleine Beispiel zeigt vielleicht etwas deutlicher, welch großartige dreidimensionale Momentaufnahme uns hier in Chemnitz überliefert wurde!

 

Einen Namen hat unser kleiner „Racker“ übrigens auch schon erhalten. Er (oder Sie?) wurde „Schnappi“ getauft. Kurz nach der Bergung ging das kleine Reptil dann auch gleich auf die Reise nach Schleusingen in Thüringen, wo der Fund nun von Fachleuten sorgsam präpariert und wissenschaftlich bearbeitet wird. Wir sind schon gespannt auf die Ergebnisse.

 

Und "Schnappi" sollte nicht der einzige tierische Fund bleiben. Nur wenige Wochen später, am 15. Oktober 2009, wurde ein zweiter Ursaurier entdeckt, der vom Finder nach seinem Rottweiler den Namen "Don" erhielt.
Dieses Reptil identifizierten wir im Gegensatz zu "Schnappi" frühzeitig anhand zweier Stücke, auf denen eine Hinterextremität und Teile des Körpers mit Wirbelsäule erkennbar waren. Da der Bereich um das Fossil
großflächig entnommen wurde, besteht die Hoffnung auf einen möglichst vollständig erhaltenen Ursaurier.

Da bisher erst etwa ein Drittel des Blatthorizontes abgegraben wurde, könnte es im Jahr 2010 weitere Wirbeltierfunde geben, wenn der Rest der untersten Ascheschicht durchsucht wird.


 

Bilder Webcam 2009

 

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Rückblick Grabungsjahr 2008

 

Als am 4. April 2008 anlässlich des 167. Geburtstages von Johann Traugott Sterzel die erste wissenschaftliche Grabung nach dem Versteinerten Wald von Chemnitz begann, ahnten wir noch nicht, welchen Verlauf die Arbeiten nehmen würden. Einige Tage später kamen bereits Tonnen von Kieselholzfragmenten zum Vorschein. Kurz darauf wurden drei noch aufrecht stehende und drei liegende, größere Stämme entdeckt. Im Gegensatz zu den Bruchstücken wurden diese Pflanzenfossilien seit über 290 Millionen Jahren nicht bewegt!

leute

Ab Mai 2008 gruben wir uns kontinuierlich durch das Gestein und machten spektakuläre Funde. Dazu gehören ein Nacktsamer-Stamm mit neun ansitzenden Ästen, fünf Baumfarne und acht Samenfarne, viele der Pflanzen stehen noch aufrecht im Gestein.

 

Wissenschaftlich besonders wertvoll ist der Fund eines reich verzweigten Schachtelhalmstammes. Es gab aber auch viele abgebrochene, teils recht lange Äste im Tuff zu bestaunen. Einige Zahlen verdeutlichen, dass dieser Erfolg hart erkämpft werden musste. Insgesamt arbeiteten ca. 70 Personen mit, darunter viele freiwillige Helfer, Schüler und Studenten (Praktikanten), maximal waren bis zu 25 Personen gleichzeitig auf der Grabung beschäftigt. Es wurden ca. 600 m³ anstehendes Gestein größtenteils mit Spitzhacke, Hammer, Meißel und Brechstange gelöst und meist per Hand in Container verbracht. In Spitzenzeiten wurden zwei dieser Container (10 m³ Inhalt) pro Tag gefüllt. Damit war es jedoch nicht getan. Für etwa 120 eingemessene und katalogisierte Funde vom kleinsten Ast bis zum dicksten Stamm wurden etwa 1300 Fotos aufgenommen, rund 500 Messpunkte aufgenommen und über 70 Fundprotokolle angefertigt. Knapp 300 Gesteinsproben aller Art wurden entnommen, etwa 1500 Messpunkte für die Ausdehnung von Bleichungszonen ermittelt. Über 150 Kisten wurden mit Proben und Funden bestückt und in das Museum transportiert.

 

Auch haben wir an einer Stelle die Basis des Tuffpaketes angetroffen. In einer Tiefe von etwa 4,5 Meter liegen die bis zu 50 Zentimeter dicken Schichten der lockeren Vulkanasche (Air Fall) und der harten von Lapilli durchsetzten Unterkante des Pyroklastischen Stromes (Base Surge). Die dort liegenden Ascheschichten haben sich vor der großen Eruption des Zeisigwald-Vulkans abgelagert und bedecken den ehemaligen Waldboden. In dieser feinkörnigen Asche wurden kleine Samenfarne (Medullosa sp.) und Blätter von verschiedenen Gymnospermen konserviert.

 

Bemerkenswert ist auch das breite öffentliche Interesse an unserem Projekt. Von Mai bis Oktober 2008 konnten über 4000 Besucher auf dem Gelände begrüßt werden, eine recht große Anzahl bei einer Öffnungszeit für die Führungen von lediglich 4 Stunden je Wochenende. Die Berichterstattung umfasste quasi alle Medien. In Funk und Fernsehen, Presse und Internet wurde über die Grabung zum Versteinerten Wald intensiv berichtet. Viele lokale, überregionale, aber auch einige internationale Beiträge sind zu verzeichnen. Kein anderes Ereignis hat 2008 in Chemnitz so viele hochkarätige Medienbeiträge generiert wie die Grabung auf den Versteinerten Wald.medien So alltäglich ist es ja nicht, dass Sonntagabend in den Tagesthemen der ARD über fossile Pflanzen berichtet wird. Mittels geschalteter Webcam konnten Interessierte ab Mai live dabei sein, bisher wurden etwa 80.000 Bilder aufgezeichnet. Höhepunkt des öffentlichen Interesses war der Besuch namhafter Wissenschaftler anlässlich des Paläobotanik-Kongresses in Bonn. Seit April 2008 besuchten über 60 Wissenschaftler aus 13 Ländern die Grabung. Seitens der Forscher wurde mehr als deutlich, wie wichtig unsere Grabung und wie einzigartig Chemnitz als Fundort für ein derart gut erhaltenes Ökosystem sind. Die Auswirkungen auf das bestehende Bild über das Leben vor über 290 Millionen Jahren sind noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß abzusehen. Hier hat der Ausbruch des Zeisigwald-Vulkans einen tropischen Wald aus dem Perm an Ort und Stelle überliefert, und nur hier werden diese Dokumente der Erd- und Lebensgeschichte seit über 250 Jahren wissenschaftlich erforscht und ausgestellt. Daher sind die Chancen zur umfassenden Erforschung dieser heute ausgestorbenen Pflanzen in Chemnitz besonders hoch und Erfolg versprechend.

 

Eines der wichtigsten Ziele war das Lernen, denn beim Betreten von Neuland kann nicht alles reibungslos funktionieren. Die wichtigste Feststellung: die Annahme, dass sich der Großteil der fossilen Pflanzen nur im untersten Teil der vom Vulkan gebildeten Schicht befindet, war unzutreffend. Sie stützte sich auf Beobachtungen in temporären Aufschlüssen der vergangenen Jahre in Hilbersdorf. Verkieselte Pflanzenachsen finden sich über das gesamte, etwa 5 Meter mächtige Tuffpaket verteilt, was den Einsatz größerer Technik ausschloss. Zeitraubende Handarbeit war nötig in einem Gestein, welches dem Suchenden einiges abverlangt. Viele weitere Erkenntnisse wurden gewonnen, welche sicherlich auch Konsequenzen für die zukünftige Vorgehensweise haben werden. Wir haben uns vorgenommen, in dem von uns geöffneten Fenster in die Erdgeschichte möglichst viele Antworten auf unsere Fragen zu finden. Erfreulicherweise haben wir 2009 die Möglichkeit, unsere Arbeiten fortzusetzen.

 

Bilder Webcam 2008

 

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Musik

 

Die Musik zur Grabung und zum Versteinerten Wald wurde von den Künstlern Pensive (Rapper/Songwriter) und JoanaS (Sängerin) zum ersten Spatenstich am 4. April 2008 aufgeführt.



Download: Pensive feat JoanaS - Schatzsuche

Rap zur Grabung


 

 

 

 

 

 

 

 

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